Von Hungersnot und Hundekot

Duobios gehört mit Sicherheit zum Schrägsten, was die Schweizer Musikszene momentan zu bieten hat. Ihr Sound fällt nicht aus dem Rahmen, denn er war nie drin. Stattdessen schnitzen die beiden Musiker Silvio und Jeremias mit einem Taschenmesser dadaistische Botschaften in das alte Holz.

Wie kam es zu Duobios?

Wir zwei machen seit über 10 Jahren zusammen Musik. Bis vor zwei Jahren haben wir immer in Bands musiziert. 2011 entschieden wir uns, ein eigenes, gemeinsames Projekt zu starten. Schon mit 13 Jahren speicherten wir die Songs, die wir zu zweit im Proberaum aufnahmen unter dem Namen "Duobios". Das waren stets nicht ganz "ernste gemeinte Songs", da unsere Bandarbeit immer im Vordergrund stand. Tanz der Teufel war ein lustiges Experimt. Als der Song plötzlich so gut ankam und die Leute mehr wollten, beschlossen wir, dem Duobios eine ernsthaftere Chance zu geben und weiter daran rum zu werkeln...et voilà - da sind wir nun!

Auf unverbraucht.ch findet man eure EP zum Gratisdownload. Was ist an eurer Musik denn so unverbraucht?

Das ist der Vorteil an diesem grossartigen Audioformat, das wir dieses Mal getestet haben: Wir nennen es MP3. Garantiert staubfrei und ohne Verfallsdatum lässt es sich auch nach zwei Jahren Intensivkonsum als "unverbraucht" weiterverkaufen. Niemand erkennt die Gebrauchsspuren. Man kann die Musik sogar ausschalten. Kostenlos.
Der Sound ist komplett unabhängig im Schlafzimmer produziert. Es ist ein Konstrukt aus musikalisch verarbeiteten Ideen & Launen. Frisch schmeckt besser!

Weiterverkaufen? Aber ihr bietet eure Sounds ja gratis an!

Tja, das ist so ne Geschichte. Vielleicht werden die verdammten Mp3's in naher Zukunft (12-15 Jahre) ziemlich sehr selten (nicht mehr hergestellt und so). Auf dem sich dann bildenden Schwarzmarkt liesse sich dieses Audiomaterial natürlich an alte Wellen-Junkies verticken.
Aber im Moment ist es natürlich gratis. Gratis!

Auf YouTube findet man den Song Tanz der Teufel, eine recht elektro-punkige Nummer. Auf der EP gebt ihr euch dann eher nachdenklich und sphärisch. Wieso dieser Schnitt?

Wir haben eine Tierdoku auf SRF1 gesehen. Da ging es um aussterbende Tierarten. Vorallem die Überfischung der Weltmeere betrübte uns sehr. Wir vergossen eine gemeinsame Krokodilträne, knüpften den Gürtel enger und spielten von nun an nur noch Moll.
Seit gestern geht's wieder besser. Vitamin-Tabletten für die Welt!

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Attribute zerstören die Magie.

Ihr nutzt das Internet bewusst als Publikationsmedium. Wo seht ihr die Chancen und wo die Risiken?

Für unbekannte Künstler wie uns besteht der Hauptvorteil des Internets sicherlich darin, dass ein sehr breites Publikum erreicht werden kann, ohne dafür viel Geld zu investieren. Mehr Publikum bedeutet auch automatisch mehr wertvolles Feedback. Der Zugang zu unserer Musik soll für alle möglichst einfach sein.
Die Risiken sind überall dieselben: Geschlechtskrankheiten und Insolvenz. Hungersnot und Hundekot am Schuh. Deshalb begeben wir uns ausschliesslich in unseren selber entwickelten Schutzanzügen in den Cyber-Space. Dort niessen wir über eine semipermiable Installation unsere kontinuierlich nervende Message durch die Gegend.

Duobios auf Facebook
Duobios auf YouTube

Comments are closed.