Von Selbstzweifel und Zuversicht

Bell Baronets. Ein Trio, das seine musikalische Wurzeln in der Vergangenheit hat und trotzdem nach vorne schaut. Auch als Gewinner des bandXaargau 2012 kämpfen sie mit Schwierigkeiten, doch sie ziehen frohen Mutes in die Schlacht. Wir haben mit Gitarrist und Sänger Silvan Gerhard gesprochen.

von Janosch Tröhler, Fotos von Samuel Koch

Mittagszeit in Zürich. Jedes Restaurant im Zentrum ist zum Bersten gefüllt, so auch das Hiltl. Wir müssen eine ganze Weile warten, bis endlich ein kleiner Tisch frei wird.

Angefangen hat alles mit dem USA-Austausch von Gerhard. In dieser Zeit hatte sich die fixe Idee herauskristallisiert, ein Trio zu gründen. Gesagt, getan. Er habe jeden Kollegen gefragt, ob er nicht einsteigen wolle. Zum Glück sagte der einzige Bassist, den er kannte, zu: Michael Kühni. Auch Drummer Philipp Kost war bereit und das Trio formiert.

„Eigentlich ziemlich langweilig, oder?“

Die Inspiration fanden die drei Jungs aus Zofingen im Kanton Aargau in Blues Rock-Legenden wie Jimi Hendrix oder den Black Keys. War die Musik früher besser? Silvan Gerhard findet das eine gewagte Behauptung. Es habe immer schon gute und schlechte Sounds gegeben. Bloss bleiben die guten Songs in Erinnerung, die schlechten gehen unter.
Was der Sänger jedoch vermisst, ist ein Grundgefühl für Musik. Es fehlt heute an Jamsessions in Clubs. So haben sich die Musiker kennengelernt und Bands wurden gegründet. Die Musik ist heute vollends kommerzialisiert, Plattenverkäufe kommen vor Idealismus. Es interessieren die Zahlen.

Letztes Jahr haben Bell Baronets dann beim bandXaargau abgeräumt und sind auf dem ersten Platz des Nachwuchs-wettbewerbs gelandet. Sie waren bereits in vorherigen Jahren im Finale des Newcomercontests mit dabei, doch für den ersten Platz hat es nie gereicht. Immer ein frustrierender Moment, in dem man sich als Musiker ernsthaft fragt, woran es wohl liegen mag. Ist man doch nicht so gut? 2012 haben sie dann aufgrund ihrer Bühnenpräsenz gewonnen, davon ist der Sänger überzeugt. Diese präge sich mit der Zeit und der Übung halt immer weiter aus und hilft, das Publikum und die Jury mitzureissen. Darauf angesprochen, ob der Sieg beim Contest effektiv etwas gebracht hat, meint Gerhard:

„Ich denke schon. In erster Linie war es gut fürs Selbstvertrauen. Wir können schon ein wenig auf dieser Gewinnerwelle reiten. Aber die Situation hat sich nicht grundlegend geändert. Die Booker stehen nicht Schlange. Wir müssen noch immer selbst Konzerte suchen. Da hilft uns wenigstens der Sieg beim bandX als zusätzliche Karte, die wir ausspielen können.“

Wichtig sei einfach, dass die Musik authentisch ist, meint Gerhard. So komme sie auch beim Publikum gut an. Doch letztlich macht er das, was ihm Spass macht. Umso grösser ist die Freude dann, wenn es auch andere anspricht.

„Wenn ich Musik schreibe, überlege ich mir nicht, was den Leuten gefällt. Ich schreibe Musik für mich.“

Ihr Sound – ein deftiger Blues Rock – ist garantiert nicht Mainstream, jedoch prädestiniert, live gespielt zu werden. Es wird viel improvisiert, keines der Soli ist geplant. Das macht jedes Konzert der Bell Baronets zum einzigartigen Erlebnis.

Und vielleicht kommt eines Tages der Startschuss zur grossen Karriere. Gerhard denkt, dass es sehr schwierig sei, sich dann dem Druck der Labels entziehen zu können. Man müsse sich ein Stück weit verkaufen, es komme nur darauf an, wie gross dieses Stück sei. Letztlich ist es immer eine Einschätzungssache.

„Aber würde ein Label mir einen Vertrag anbieten, würde ich wahrscheinlich darauf eingehen. Es ist die Türe nach oben. Für uns als Newcomer ist es schon enorm schwierig, an die richtigen Leute zu kommen, die uns dann ein Gig im Komplex 457 besorgen.“

Es fehlt auch an kleineren Auftrittsmöglichkeiten in der Region Zofingen. Das OX ist momentan aufgrund einer Lärmklage geschlossen. Dazu gibt es eine ungeheure Menge an Bands, was ein krasser Konkurrenzkampf auslöst. Herauszustechen ist natürlich extrem schwierig. Man klappert die Clubs nach geeigneten Bands, die man supporten könnte, ab und klopft dann an. Das ist die effektivste Variante.
Das andere grosse Manko ist das Geld. Aufnahmen stehen meistens wegen dem Geld auf der Kippe. Ein Studio ist schweineteuer! Da braucht es entweder Vitamin B oder kräftige Unterstützung von aussen. Die Bell Baronets hatten Glück. Kurz nach dem Interview schrieb Silvan Gerhard, dass die kantonale Förderstelle „Kulturdünger“ die geplante Recording-Session für eine kommende Scheibe finanziell unterstützen wird.
Für die Aufnahmen stehen fünf bis sechs Songs bereit. Das Studio steht ihnen drei Tage zur Verfügung. Das Release der kurzen und knackigen EP ist dann für September 2013 geplant. Langsam läuft die Vorproduktion an. Im April geht es dann richtig zur Sache.

„Heute im Zeitalter von YouTube kann jeder schnell einen Clip aufnehmen und verlinken. Darum ist ein richtiges, professionelles Album immer noch enorm wichtig. Eine Visitenkarte.“

Die Zukunft haben sie vor Augen, doch denkt die Band eher in Etappen. Ein Ziel ist es, am Heitere Openair aufzutreten. Oder für eine Band eröffnen, die zu den Idolen gehört. Ein grosser Wunsch hat Silvan Gerhard dann doch noch:

„Ich möchte mal auf Tour gehen. Einfach dieses Feeling erleben!“

StageDive bleibt dran: Die Redaktion hat ein weiteres Projekt mit Bell Baronets in der Pipeline. Also bleibt gespannt!

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