Sprungbrett in die Menschenmenge

Die Schweizer Musikmedienlandschaft wird um ein weiteres Magazin bereichert. Worin es sich von anderen Musikmagazinen unterscheidet und wer im Fokus des neuen Mediums steht, verriet Chefredaktor Janosch Tröhler im Interview.

sax. StageDive, so der Name des neuen Magazins, steht unter der Federführung von Janosch und Nicola Tröhler, die schon 2009 das Musik- und Lifestylemagazin Negative White ins Leben riefen. Anfänglich war die Idee, sich auf die lokale Szene, kleine Veranstalter und Bands zu stützen, mehr als genug für das Zweiergespann. Doch bald kamen weitere Mitarbeiter hinzu, das Magazin ist gewachsen und bekannter geworden und  wurde im letzten Jahr sprichwörtlich zum Ritter geschlagen, als ein Anruf von Good News bei Janosch einging, der alles verändern sollte.

Mal ehrlich: Ein Interview mit Paul McCartney schlägt man nicht aus!

Seit Negative White von Paul McCartney als einer von drei Interview-Partnern in der Schweiz ausgewählt wurde, standen dem Team alle Türen offen. Der Fokus verlegte sich fast automatisch auf grössere Veranstalter und bekanntere Bands, die grossen Bühnen der Schweiz wurden zu einem zweiten Zuhause für einige der Mitarbeiter. Dies führte aber auch dazu, dass Newcomer Bands untergingen. Nicht etwa, weil die Journalisten und Fotografen sich nicht mehr um unbekante Bands kümmerten, sondern schlicht dadurch, dass die Artikeldichte so gross wurde, dass die “kleinen” regelrecht weggespühlt wurden.

Dazu kam auch noch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr erstmals auch noch über Festivals und Openairs berichtet wurde und somit die Sichtbarkeit der einzelnen Artikel noch weiter zurückging.

Mit StageDive soll diesem Trend, den das gesamte Team mehr als willkomen heisst, etwas entgegen getreten werden. Der Fokus von StageDive liegt deshalb ganz bewusst auf Newcomern und primär Newcomern aus der Schweiz. Wir haben ein gigantisches musikalisches Potential in unserem Land, dass leider völlig unbekannt bleibt. Wenn wir nur einer Band zu nationaler Bekanntheit verhelfen können, dann hat sich unser Einsatz gelohnt.

Wir werden uns bei StageDive auf zwei Arten von Artikeln beschränken: Reportagen und Portraits. Während zweitere sich vor allem mit der Vorstellung eines Künstlers, respektive einer Band befassen, wobei im Allgemeinen immer ein persönliches Gespräch des Künstlers/der Band mit dem Journalisten zu Grunde liegt, sind die Reportagen viel freier. Da ist’s durchaus möglich, dass sich ein Journalist mal mit einer Band auf Tour begibt und über den Alltag des Tourlebens berichtet.

Darüber hinaus wollen wir auch mehr Informationen bieten, als dass man auf Wikipedia oder der Bandhomepage findet. Der persönliche Kontakt zur Band ist deswegen sehr wichtig. Man könnte StageDive auch als Negative White 2.0 bezeichnen. Die Berichterstattung geht mehr in die multimediale Richtung mit Text, Bild, Ton und Video. Wir sind selber noch am experimentieren, aber wir wollen unseren Lesern definitiv etwas neues bringen und auch zeigen, dass Online-Medien den Print-Medien etwas voraus haben.

Ein weiterer Unterschied zu Negative White wird sicher die Häufigkeit der Artikel sein. Alleine wegen des Aufwandes eines einzelnen Artikel rechnen wir selber mit ein bis zwei Artikeln pro Monat. Da wir uns nicht auf spezifische Anlässe wie Konzerte beziehen, stellt das kein Problem sondern eher einen Nutzen dar. Die Berichte sind zeitloser – für die Leser auch Wochen bis Monate nach der Veröffentlichung interessant – und länger sichtbar – was natürlich vor allem für den jeweiligen Künstler von Nutzen ist.

StageDive wird wie Negative White von KulturMedien Tröhler verlegt und wird zumindest in der Anfangszeit von den gleichen Leuten, die schon für Negative White arbeiten, und dort Erfahrungen im Bereich Musikjournalismus gesammelt haben, betreut. Dennoch wird StageDive als komplett eigenständiges Medium geführt und auch intern klar von Negative White getrennt. Nur schon die Vorgehensweise an die Artikel ist komplett anders und daher wird sich hier kein Interessenskonflikt bilden.

Was man nicht vergessen darf: Alle Mitarbeiter machen ihren Job ehrenamtlich, sprich, sie verdienen keinen Rappen. Wie kriegt man Leute dazu, einen grossen Teil ihrer Freizeit zu opfern, ohne dafür Geld zu sehen? Zum Einen ist es ein Stückweit die Möglichkeit, einer Band, die man mag, aber aus irgendeinem Grund niemand kennt, ein grösseres Publikum zu bieten. Aber wenn man diejenigen, die sogar ihre gesamten Urlaubstage für diese Projekte verwenden, fragt, dann ist es wohl ganz einfach: Es werden Momente geschaffen, die man mit nichts aufwiegen kann. Wir sitzen mit Bands im Tonstudio, bei den Aufnahmen zu ihrem ersten Album, gehen mit den Bands auf Tour, sorgen für den ersten grossen Auftritt einer Band… Mal ehrlich, was könnte ein grösserer Lohn sein als die glücklichen Gesicher der Fans und der Band an einem Auftritt?

 

StageDive lädt Euch ein auf eine Reise in die Schweizer Musiklandschaft jenseits des Mainstreams und wir würden uns freuen, wenn ihr mit uns auskundschaftet, was unsere Nation an interessanten Musikern hervorbringt. Denn eines ist sicher: Wir haben noch nicht ansatzweise das Talent dieser Nation erfasst.

 

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